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Auf der Alm da gibt´s koa KI

OUTLOOK

Virtual Reality Filme, Augmented Reality Applikationen, 3D-Produktentwicklung, Klettersimulatoren oder digitale Plattformen für die Bergsport-Community, die Errungenschaften der Digitalisierung haben längst den Bergsport erreicht. Selbst die weltgrößte Sportmesse ISPO stand dieses Jahr ganz im Zeichen der Digitalisierung.

Von Christian Bauer

Nicht nur die Bergsport-Industrie, auch der Bergsportler selbst ist längst im digitalen Zeitalter angekommen. Keine Tourenplanung auf Papier – kein Tourstart ohne Regenradar. Jede Tour getrackt, Höhenmeter und Pace am heimischen Sofa ausgewertet und für die Nachwelt auf sämtlichen Social Media Kanälen medienwirksam präsentiert und archiviert. Das ganz persönliche digitale Gipfelbuch.

Immer weiter. Immer höher. Immer schneller: Exponentielles Wachstum, von Digitalisierungs Experten eindrucksvoll als „Hockeystick“ veranschaulicht, zeichnet die Entwicklung künstlicher Intelligenz und die damit einhergehenden Chancen und Risiken der Digitalisierung aus. Wenn man diesen Experten Glauben schenken darf, sind der Digitalisierung keine Grenzen gesetzt. Oder etwa doch? Wieviel Digitalisierung findet oberhalb der Baumgrenze statt?

Vom autonomen Bergsteigen sind wir noch weit entfernt

Abgesehen von Free-WiFi in den Mainstream-Hütten der Bergtourismus-Hochburgen, hat sich oberhalb der 3000 Meter seit dem großen Ansturm auf die Berge in den 20iger Jahren nicht viel verändert.

Keine Künstliche Intelligenz, die vor Blitzeinschlag warnt oder bei Steinschlag automatisch ausweichen lässt. Nur der Berg und der Mensch treffen hier oben die Entscheidung und bestimmen über das Schicksal.

Im Gebirge finden wir das, was wir in der digitalen Transformation bewusst ausblenden – Entschleunigung und Mensch sein! Die Ruhe und Gelassenheit, die uns der Berg vermittelt, dient als Mittel zum Zweck und ist Medizin gegen so manches Alltagsübel.

“Menschen treibt nicht das Gipfelglück auf die Berge, sondern die Neugierde, wissen wollen, was möglich ist und wie es hinter dem Horizont weitergeht”, so Reinhold Messner in seinem Buch “Leben am Limit”.

Entscheidungen trifft kein Algorithmus

Die Sinne schärfen. Gefahren erkennen. Entscheidungen treffen, die nicht durch Algorithmen berechenbar sind. Diese Fähigkeit unterscheidet den Menschen von der Maschine. Auf dem Gipfel wird es greifbar.

Jährlich verunglücken in den österreichischen Alpen ca. 300 Menschen – seit 1983 kein Trend in den Diagrammen der Alpenvereine erkennbar – „Hockeystick“ Fehlanzeige. Dennoch veröffentlicht der Deutsche Alpenverein (DAV) eine interessante Statistik, die aufhorchen lässt.

Auf der einen Seite verunglücken immer weniger DAV-Mitglieder tödlich, auf der anderen Seite erreicht die Zahl der Bergunfälle im Berichtsjahr 2016 insgesamt einen Höchststand.

Der scheinbare Widerspruch ist ein gutes Beispiel dafür, dass in der Digitalisierung sowohl Chancen als auch Risiken liegen.

Digitales Routing, Hinweise auf Gefahren, Standortbestimmungen und die damit verbundenen Bergrettungen sorgen zum einen dafür, dass immer mehr Menschen gerettet werden, bevor die Lage lebensbedrohlich wird. Zum anderen wiegen die digitalen Helferlein den Bergsportler meist in vermeintlicher Sicherheit, was in Selbstüberschätzung und Leichtsinn enden kann.

So ließ sich am Lafatscher Joch, das nicht unbedingt als alpine Herausforderung bekannt ist, in den vergangenen drei Jahren immer der gleiche Hobby Alpinist bereits zum sechsten Mal in vermeintlicher Bergnot retten – am liebsten ganz bequem mit dem Hubschrauber.

Am Einsatzort stellten die Rettungskräfte immer wieder fest, dass dem erschöpften Mann, außer der nötigen Kondition, augenscheinlich aber kaum etwas fehlte.

„Du sollst nicht Gipfel fressen”

Luis Trenkers 1. Gebot in seinem 1931 erschienen Buch “Meine Berge” besitzt knapp 90 Jahre später noch seine Gültigkeit: „Du sollst keine Bergfahrt unternehmen, der du nicht gewachsen bist. Du musst dem Berg überlegen sein und nicht der Berg dir! Du sollst dir Zeit lassen und nicht mit dem Minutenzeiger um die Wette laufen.“

Der wirksamste Schutz vor schweren Bergunfällen ist nach wie vor eine fundierte Tourenplanung und die Erfahrung der Alpinisten, denn oberhalb der 3000 Meter, weit über den Almen, gibt‘s koa KI – vielleicht Trenkers 11. Gebot.

 


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Kategorisiert in: | Veröffentlicht am: 11.01.2019 Zurück zur Übersicht

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