Willkommen zu LIGHTHOUSE - unserem Magazin für digitale Changemaker! Dabei ist LIGHTHOUSE aber nicht irgendein Magazin. Nein. Es ist das Magazin unserer CLASSES! Von CLASS TWO in einer Challenge komplett gestaltet und ausgearbeitet, findet Ihr hier Artikel, Videos, Interviews und Insights aller CLASSES zu unserem Programm, zum SHIFTSCHOOL-Leben und einfach allem, was unseren Pionieren am Herzen liegt.

DigitalDigitale Transformation

Digitale Transformation wird zu einseitig gedacht

Digitale Transformation, Digitalisierung

OUTLOOK

Wie menschlich ist die digitale Transformation und warum hört sie nach Feierabend auf?

Neulich saß ich mit einem befreundeten Paar beim gemeinsamen Essen. Die zwei Männer unterhalten sich über den gemeinsamen Sportverein. „Ja, man müsste mal eine neue Strategie für die Jugendabteilungen erarbeiten.“ „Aber wir brauchen schon alle Jugendleiter dazu.“ „Nee, die Sitzungen sind zu kurz dafür.“ Und so weiter. Ich wollte wissen, warum sie nicht einfach einen Workshoptag dazu machen und das gemeinsam erarbeiten. So wie eben in der Arbeit auch. Stille! Digitale Transformation, wo bist Du?

Digitalisierung ≠Digitale Transformation

Die digitale Transformation und alle damit verbundenen Anforderungen an den Menschen scheinen außerhalb des Arbeitskontextes irrelevant zu sein. Jeder redet über Digitalisierung, aber keiner tut was dafür. Und nein, Netflix schauen, Flüge online buchen und bei Amazon shoppen meine ich nicht damit. Wobei die Begriffe „Digitalisierung“ und „Digitale Transformation“ oft vermischt werden. Laut Wikipedia bedeutet Digitalisierung die Umwandlung von analogen Werten in digitale Formate. Die digitale Transformation (auch „digitaler Wandel“) jedoch bezeichnet einen fortlaufenden, in digitalen Technologien begründeten Veränderungsprozess, der als Digitale Revolution die gesamte Gesellschaft und in wirtschaftlicher Hinsicht speziell Unternehmen betrifft. D.h. im Klartext: ohne Digitalisierung keine digitale Transformation. So weit so gut! Digitalisierung ist also das ganze technische Gedöns, die digitale Transformation ist ein Veränderungsprozess, der uns alle betrifft bzw. betreffen sollte. Als Gesellschaft! Aber viele verstehen das nicht und haben Angst.

Fast 90 Prozent der Deutschen fühlen sich der Digitalisierung ausgeliefert

Dem „Technik-Radar 2018“ des Zentrums für Interdisziplinäre Risiko- und Innovationsforschung (Zirius) im Auftrag von Acatech und der Körber-Stiftung zufolge sehen die Deutschen neue Technologien und die Digitalisierung eher skeptisch und, obwohl an Technik grundsätzlich interessiert, schafft sie in ihren Augen eher Probleme als dass sie zur Lösung beiträgt.

Angst um den Arbeitsplatz, Angst vor Datenklau, Angst vor dem tech-nischen Fortschritt und vor allem Angst vor der Veränderung. Denn um in der digitalen Transformation bestehen zu können, muss der vielzitierte „Mindset“ geändert werden. Und das bedeutet raus aus der Komfortzone, etwas wagen, sich auf Neues einlassen und evtl. scheitern.

Hauptsache agil

Das hat sich mittlerweile auch schon rumgesprochen. Viele Unternehmen versuchen diesen Ängsten durch die Einführung von neuen Methoden für das gemeinsame Arbeiten wie Scrum, Design Thinking oder Growth Hacking gerecht zu werden. Ganze Bürogebäude werden nach dem Vorbild von Google oder Facebook gebaut und so eingerichtet, dass die neuen Methoden und das neue Miteinander sich auch am Arbeitsplatz oder im teamübergreifenden Arbeiten widerspiegeln. Von neuen Softwaretools wie Slack, Asana, Trello etc. ganz zu schweigen.

Ängste nehmen statt Duzen

Und wichtig: Alles soll natürlich Spaß machen, agil sein und ganz ungezwungen – bis hin zum von oben verordneten Duzen.

Veränderung bedeutet per Definition ja den Ablauf oder Verlauf einer stofflichen oder nicht-stofflichen Umwandlung, also eines Wechselprozesses innerhalb einer gewissen Zeitspanne. Und das bedeutet das Verlässliche für etwas Unbekanntes einzutauschen und Wagnisse einzugehen. NICHTS davon war in den letzten Jahrzehnten jemals in den Unternehmen gefordert. Oder wurde im Kindergarten gefördert. Im Gegenteil: Ständige Veränderung, neue Methoden und schnellere Taktung bedeuten für viele eher Orientierungslosigkeit, Aufregung, Überforderung und vor allem – Anstrengung. Warum genau sollte sich denn darauf jemand einlassen und Risiken eingehen? Und das oft ohne nachvollziehbaren konkreten Nutzen! Meist gibt es nur diffuse Berichte über die digitale Transformation oder eine Unternehmensentscheidung, dass man jetzt digitaler werden muss.

Dabei gibt es so spannende Entwicklungen, die uns den Alltag und das Miteinander so vereinfachen können. Sei es ein digitaler Assistent zur Gedächtnis- und Demenzvorsorge oder eine App die meine individuellen Körpermaße vermisst und es mir ermöglicht passgenaue und bezahlbare Kleidung zu bestellen.

Wer nicht fragt, bleibt dumm

Warum? Das ist die Lieblingsfrage von Kindern – und das völlig zurecht. Warum sollen wir unseren Mindset ändern, wenn wir doch Angst davor haben, dass unsere Arbeitplätze unnötig werden. Warum soll ich mir mein eigenes Grab schaufeln? Und warum genau werden diese Fragen nie beantwortet? Warum erklärt denn keiner, dass es um mehr Zufriedenheit geht. Und darum Prozesse zu erleichtern und damit Zeit für das wirklich Wichtige freizuschaufeln. Sich gemeinsam weiterzuentwickeln und vor allem – dass, das nicht nur für meinen Job wichtig ist. Unsere Neugier und die Lust auf Entdeckungsreise zu gehen und dabei ergebnisoffen einfach nur als Teil eines großen Ganzen zu agieren, wird so gut wie nie geweckt. Weder im Job noch in der Freizeit!

Alles eine Frage des Zustands

In einem Vortrag der wunderbaren Cassandra Riedl zum Thema Emotionale Intelligenz kamen wir auf die Transaktionsanalyse zu sprechen. Der Begründer Eric Berne erforschte, dass sich das menschliche Verhalten und somit auch die Kommunikation in verschiedene Zustände unterteilen lässt, zwischen denen der Betroffene hin- und herwechselt. Diese sogenannten „Ich-Zustände“ speisen sich jeweils aus unterschiedlichen Erinnerungen, Emotionen und Wünschen und beeinflussen die Denkweise des Akteurs. Jede menschliche Handlung, so Berne, entspringt also einer dieser drei Kategorien.

Eltern-Ich: korrigierend, zurechtweisend, bevormundend

Erwachsenen-Ich: sachlich, respektvoll, rational, konstruktiv

Kind-Ich: trotzig, albern, emotional, verspielt

Kinder an die Macht

Ohne tief in die Materie eingedrungen zu sein, hat sich für mich aber eine Erkenntnis offenbart: Start-ups tun sich so leicht mit der digitalen Transformation, weil sie einfach ihr Kind-Ich rauslassen! Sie haben Spaß an Neuem, hinterfragen, lassen ihrer Phantasie Raum, finden kreative Lösungen und vor allem – machen Fehler. Aufstehen, Mund abputzen, weitermachen. Wohingegen in den meisten Unternehmen den Mitarbeitern das Kind-Ich abtrainiert wurde. Und dabei jegliche Phantasie in Linienhierarchien, starren Projektplänen und Roadmaps erstickt wird. Blöderweise für das Privatleben gleich mit. Ja, ich glaube sogar, dass je mehr man in den Unternehmen daran „laboriert“ den Mitarbeitern den „digitalen Mindset“ einzubläuen, desto mehr sind diese überfordert und wollen sich auch im Privatleben nicht damit beschäftigen.

Die digitale Transformation ist zutiefst menschlich

Wir müssen wieder lernen wie Kinder zu handeln und neues als aufregend, spannend und bereichernd wahrzunehmen. Und das Vertrauen zu haben, dass wir damit wachsen und sich neue Türen auftun. Und wenn wir hinfallen, dann jammern wir etwas, stehen auf und machen dann weiter; um ein paar Erfahrungen oder „Learnings“ wie es heute heißt, reicher.

Bei einem Vortrag des Wirtschaftshistorikers Klemens Skibicki vor einigen Wochen wurde mir bewusst, dass viele der Möglichkeiten, die wir heute im Zuge der Digitalisierung nutzen, aus ganz menschlichen Bedürfnisse resultieren, für die es nur früher keine technologische Lösung gab. Viele der Errungenschaften, die mit der Digitalisierung oder den Disruptionen von Geschäftsmodellen einhergehen, beruhen auf Sehnsüchten oder Knappheiten von Menschen, die Lösungen gesucht haben. Uber ist deswegen so erfolgreich, weil die Unsicherheit beim Preis übers Ohr gehauen zu werden oder nicht genügen Bargeld dabei zu haben, wegfällt. Und nach einem aktuellen Besuch von vier asiatischen Metropolen, bei denen in jedem Reiseführer ganze Seiten über die Do´s und Dont´s beim Taxifahren beschrieben waren, kann ich dies nur bestätigen.

I like it

Die heutigen Kommunikationskanäle oder Einkaufsportale leben von Likes, Shares und Sternewertungen, also zutiefst emotionale Ausdrücke unserer Zustimmung und unserer Zufriedenheit. Bedeutet es doch, dass ich etwas so sehr mag, dass ich es allen anderen zeigen will und sogar noch auf meinem eigenen Kanal teilen möchte. Menschlicher und emotionaler geht es doch kaum!

Es wird dringend Zeit, dass die digitale Transformation auch in unseren Alltag Einzug hält und alles das, was wir im Unternehmen lernen und anwenden, auch für alle anderen Lebensbereiche nutzen. Die Angst vor der Veränderung lähmt uns voranzuschreiten, Innovationen zu begrüßen und sie zu gestalten. Sie vermiest uns die Offenheit für die Veränderungen und den Umgang mit tollen, innovativen und lebenserleichternden Tools, da wir den ganzheitlichen und emotionalen Nutzen nicht erkennen können. Dabei würden sie uns mehr als vieles andere dabei helfen, in unserem Streben nach Erleichterung und Befriedigung unserer Sehnsüchte ein Stück weiterzukommen.


Autor(en):


Kategorisiert in: | Veröffentlicht am: 31.05.2019 Zurück zur Übersicht

Vorheriger Artikel

Nächster Artikel

Werde Teil des SHIFTSCHOOL-Netzwerks

Du möchtest über unsere Events, Highlights und Spannendes rund um das Thema Digitalisierung informiert werden? Dann melde Dich jetzt für unseren Newsletter an und werde Teil unseres Netzwerks.