Willkommen zu LIGHTHOUSE - unserem Magazin für digitale Changemaker! Dabei ist LIGHTHOUSE aber nicht irgendein Magazin. Nein. Es ist das Magazin unserer CLASSES! Von CLASS TWO in einer Challenge komplett gestaltet und ausgearbeitet, findet Ihr hier Artikel, Videos, Interviews und Insights aller CLASSES zu unserem Programm, zum SHIFTSCHOOL-Leben und einfach allem, was unseren Pionieren am Herzen liegt.

Ok Google, Flugmodus aktivieren!

OUTLOOK

Optimierte Prozesse, geringere Kosten, verbesserte Kommunikation. Die Digitalisierung birgt viele Vorteile für Unternehmen. Für die Angestellten bedeutet das oft: ständige Erreichbarkeit und stärkere Verschmelzung von Beruf und Privatleben. Damit die Transformation für beide Seiten gewinnbringend ist, müssen Organisationen die Gesundheit ihrer Mitarbeiter in den Fokus rücken. Diese können aber auch selbst einiges gegen die digitale Reizüberflutung tun. Von Sebastian Pfeuffer-Lieb

 

Sundar Pichai hatte einiges zu verkünden an diesem bewölkten Frühlingstag im kalifornischen Mountain View. Gewohnt leger in olivgrüner Jacke und Jeans stand der gebürtige Inder und seit 2015 CEO der Alphabet-Tochter Google wie jedes Jahr vor tausenden Entwicklern auf der Bühne des Shoreline Amphitheatre, um im Rahmen der hauseigenen Konferenz I/O die neuesten Highlights des Suchmaschinenriesen zu präsentieren. Und was war da nicht wieder allerhand Spektakuläres dabei: Der Google Assistant kann für mich zukünftig den Anruf beim Friseur erledigen und einen Termin ausmachen, Android-Smartphones erhalten das neue Betriebssystem „Android P“ und Google News versorgt seine Nutzer ab jetzt noch zuverlässiger mit relevanten Nachrichten – KI sei Dank.

Gegen das eigene Geschäftsmodell

Umso befremdlicher für den geneigten Techie im Auditorium dürften dagegen die Folien gewirkt haben, die Pichai zwischendrin auf die gigantische Leinwand warf. „Digital Wellbeing – How we can help you“ prangte dort in großen Lettern, gefolgt von vier Symbolen für Bereiche, bei denen Google uns zukünftig unterstützen möchte: Unsere Gewohnheiten verstehen, uns auf das Wesentliche zu konzentrieren, unsere digitalen Helferlein auch mal auszuschalten und für unsere Familie die richtige Balance zu finden.  

Moment mal, wie bitte? Google ist im Kern eine Werbefirma, die hauptsächlich Geld damit verdient, dass wir möglichst viel Werbung über ihre Produkte und Services konsumieren. Wenn ein solcher Techgigant seinen Nutzern auf einmal Tools an die Hand gibt, die sie davon abhalten sollen, diese Produkte und Services zu nutzen oder dazu anregen, zumindest das eigene Nutzungsverhalten kritisch zu hinterfragen, ist das auf jeden Fall beachtenswert.

Auch wenn man über die wahre Absicht dahinter nur spekulieren kann: Google trifft mit seinen „Digital Wellbeing“-Funktionen den Nerv der Zeit. Eine aktuelle FORSA-Umfrage zeigt, dass die „always-on“-Mentalität unserer Gesellschaft viele Menschen nachhaltig stresst, sowohl im Beruf als auch im Alltag. Rund 50 Prozent der Befragten gaben an, dass die eigene Belastung „eher hoch“ oder „sehr hoch“ sei. Bei 90 Prozent der Teilnehmer mit hoher Stressbelastung ist ein Verursacher der Messenger-Dienst WhatsApp. Ständige Erreichbarkeit, permanente Unterbrechungen und Ablenkungen, meist begründet durch die sogenannte „Fear of missing out“ – also die Angst, etwas zu verpassen. Mangelnde Konzentration sowie schlechter Schlaf sind zwei typische Konsequenzen der digitalen Reizüberflutung.

Spielregeln für die Digitalisierung

Dass die Digitalisierung sowohl für Arbeitgeber als auch für Arbeitnehmer große Chancen bietet, steht außer Frage. Neue Geschäftsmodelle, Steigerung der Produktivität durch automatisierte Prozesse und geringere Kosten für die Unternehmen, flexiblere Arbeitsmodelle durch den „Digital Workplace“ für die Mitarbeiter. Damit sich all diese Vorteile nicht zum Boomerang entwickeln und Mitarbeiter permanent auf Standby stehen, da sie ja immer und überall arbeiten können, müssen beide Seiten aktiv werden.

Kommunikationsnormen im Team sowie die Erwartungshaltung der Organisation sind zwei wesentliche Faktoren, mit denen Unternehmen die Akzeptanz und den Erfolg des Mobile Working fördern können.

Wenn klar kommuniziert wird, dass nach 18 Uhr keine Antworten auf E-Mails erwartet wird, können sich Teammitglieder darauf berufen und müssen kein schlechtes Gewissen haben, wenn sie das Diensthandy nach Feierabend in die Ecke legen. Konzerne wie Volkswagen oder Daimler gehen sogar noch einen Schritt weiter und stellen nach Feierabend oder im Urlaub gar keine Mails mehr zu.

Erholung ist wichtig

Doch auch jeder Einzelne kann selbst proaktiv gegen (digitalen) Stress vorgehen. Achtsamkeit und Erholung sind hier die Stichwörter. Durch die permanente Ablenkung von Nachrichten, Mails & Co. haben wir verlernt, uns auf das zu konzentrieren, was wir gerade tun – eben achtsam für den Moment zu sein. Das Smartphone lautlos zu stellen und Mails nur zu festen Uhrzeiten am Tag zu lesen, um gedanklich nicht abzudriften, sind nur zwei simple Methoden, um produktiver arbeiten zu können.

Ebenso nehmen sich viele Arbeitnehmer nicht genug Zeit für Erholungsphasen. Ob verlängerte Mittagspause mit einem ausgedehnten Spaziergang, Sport in der Freizeit oder Freunde treffen: Für die Regeneration von Körper und Geist sind diese Formen der Erholung unabdingbar und sollten daher auch einen festen Platz im Kalender finden.

Bei Google ist das längst gelebte Praxis: Seit 2007 bietet der Suchmaschinenkonzern seinen Mitarbeitern ein Programm für persönliches Wachstum an: „Search inside yourself“ soll die Teilnehmer gelassener, zufriedener und kreativer machen. Tausende Googlianer haben bereits teilgenommen – und treten damit den Beweis an, dass man manchmal einfach offline sein muss, um online gute Arbeit zu leisten.


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Kategorisiert in: | Veröffentlicht am: 15.03.2019 Zurück zur Übersicht

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