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Smart Cities: Zwischen Komfort und Abhängigkeit

OUTLOOK

Die Zukunft der Städte. Lebensqualität, Nachhaltigkeit, Datensicherheit und Freiheit. Oder totale Überwachung, Verlust der Privatsphäre und Fremdbestimmung. Warum sich deine Art zu leben ändern wird und welche Rolle Technologie dabei spielt. Werfe jetzt einen Blick in deine Welt von morgen.

Ich trete auf die Straße und atme tief ein. Die Luft ist frisch, angenehm. Ich bin froh, dassdas Haus, in dem ich wohne, auch atmet. Es atmet meine verbrauchte Luft ein. Am Abendhimmel zeichnet sich die Dämmerung ab. Ich schau hoch und sehe, dass das Licht der Straßenlaterne angeht. Ich bin entspannt. In 15 Minuten habe ich einen Termin in der Innenstadt. Ich weiß, dass ich pünktlich dort sein werde. Das Auto, in das ich steige, kennt den schnellsten Weg. Ich fühle mich sicher. Zu sicher?
Die Zukunft der Städte. Belmont oder Quayside – einer dieser Orte wird mein Zuhause im Morgen sein. Orte, an denen die Grenzen zwischen Freiheit, Moderne, Datensicherheit und Konzernen nicht nur verschwimmen, sondern nicht mehr existieren. Orte an denen intelligente Klima- und Verkehrssteuerungssystheme, smarte Straßenlaternen mit Umweltsensoren, Videoüberwachung und Kennzeichenleser unser Leben vereinfachen. Komfort. Nachhaltigkeit. Ressourcen durch Innovation schonen. Das sind die Ziele aller Smart Cities. Ich ziehe heute ins Morgen. Kommst du mit? Der Umzug in die smarte Welt hat schon begonnen.

Leuchtturmstädte in Europa
So wie in den Smart Cities Europas: Wien, München und Lyon. Diese drei Städte arbeiten im Rahmen des EU-Förderprogramms „Smarter Together“ zusammen an den Themen Mobilität, Energie, Datennutzung und Ko-Gestaltung. Und sind damit nur drei Beispiele für Städte, die versuchen ihre digitale Zukunft heute zu gestalten. Die Stadt Wien legt mit unterschiedlichen Projekten ein Augenmerk auf soziale Inklusion. Der Digital Divide soll vermieden und alle Menschen auf dem Weg in das digitale Zeitalter mitgenommen werden. „Wir verfolgen kein reines Technologiekonzept, sondern eine umfassende Digitalisierungsoffensive zum Nutzen der Bürger“,
sagt Wien-CIO Ulrike Huemer auf horizont.at. Interaktive Apps sind nur ein Beispiel für die Stärkung der Partizipationsmöglichkeiten. Die Bürger sollen an der Gestaltung der Stadt aktiv Anteil haben. Energieeinsparungen durch Sanierungsprojekte und verbesserte Mobilitätskonzepte kommen der Stadt, aber auch jedem einzelnen zu Gute. Der Vorsitzende der Geschäftsführung der Stadtwerke München, Dr. Florian Bieberach, betont „Die Elektro-Mobilitätsstationen sollen Anwohnern und Anwohnerinnen den Ein- und Umstieg in die Elektro-Mobilität erleichtern“ (munich-startup.de). Intelligente Lichtmasten, die über Sensoren Daten zu Verkehr und Umwelt liefern, sollen die Lebensqualität weiter verbessern. Die Datenverarbeitung soll über eine zentrale Plattform erfolgen. In historisch gewachsenen Städten wie München und Wien müssen die bereits bestehenden Strukturen an die neuen Gegebenheiten der Zukunft angepasst werden. Doch warum Bestehendes anpassen, wenn Neues erschaffen werden kann? Konzerne wie Google und Microsoft planen ganze Städte oder Stadtviertel neu.

Lebensqualität neu definiert
„We‘re reimagining cities to improve quality of life“ – Sidewalk Labs, ein Tochterunternehmen von google, hat erkannt, was wir alle in der Zukunft wollen. Lebenswerte Städte, die sich jedoch anders definieren, als lebenswerte Städte wie wir sie heute kennen. Es geht nicht mehr nur um eine Begrünung der Städte, um die Schaffung schöner Orte. Lebensqualität bedeutet auch Komfort. Erleichterung im Alltag. Probleme, die uns alle beschäftigen – Nachhaltigkeit, verfügbarer und günstiger Wohnraum, Mobilität und ökonomische Chancen – werden neu definiert. Durch geplante Smart Cities werden neue Standards gesetzt. Standards, die unser Leben verändern.

Konzerne planen Städte
Doch wer ist es, der diese Standards definiert? Die Privatisierung der Stadtentwicklung wird durch Konzerne wie Google und Microsoft auf eine neue Ebene gehoben. Sidewalk Labs plant mit Sidewalk Toronto ein Stadtviertel im Hafengebiet von Toronto. Unterstützt von der Stadt Toronto, der Provinz Ontario und dem Staat Kanada. Die Idee in der Planung: die enge Zusammenarbeit von Stadtplanung und Technologie-Entwicklung soll das nahezu perfekte Stadtviertel kreieren. Das Ziel ist es eine ganzheitliche Community zu schaffen, die die Lebensqualität für die Bewohner des Viertels verbessert. Diversität von Bewohnern, Besuchern und Firmen wird groß geschrieben. Es soll gleichzeitig ein attraktiver Standort für Unternehmen sein, um sich gemeinsam den Herausforderungen der Zeit zu stellen. Toronto wird zum Zentrum eines neuen Industriezweigs: Urban Innovation. So steht es auf der Webside von Sidewalk Toronto. Alles beginnt mit dem neuen Viertel Quayside. Das Gebiet wird eine Mischung aus gewerblich nutzbaren Flächen, Wohnhäusern und öffentlichem Raum sein. Alles unter dem Leitgedanken der Nachhaltigkeit: Elektromobilität und Ökostrom aus einer lokalen Energiequelle. Es klingt zu schön um wahr zu sein. Als Reaktion auf die aktuellen Probleme Torontos, wie steigende Mietpreise, scheint es an der Zeit zu sein neue Ideen der Stadtplanung umzusetzen und Visionen Leben einzuhauchen. Und das nicht irgendwann in der Zukunft. Sondern jetzt.

Gleich eine ganze Stadt
Microsoft Gründer Bill Gates verfolgt die Vision einer Smart City, mitten in der Wüste Arizonas. Stadtplanung bedeutet nicht mehr entlang von Handelsrouten, natürlichen Gegebenheiten, Flüssen und fruchtbaren Böden Städte zu errichten. Autonome Logistikzentren, ein leistungsstarkes Breitbandnetz sind die Orientierungspunkte der digitalen Zeit. Autonome Lieferdrohnen und Fahrzeuge wären dort normal. An einem unwirklichen Ort soll, basierend auf Technologie, eine lebenswerte Stadt für 100.000 Menschen entstehen. Dinge wie Wasserversorgung sind noch ungeklärt. Informationen zur geplanten Zukunfts-Stadt Belmont spärlich. Aber die Pläne sind vorhanden. Wer entscheidet, wer dort einziehen darf? Der Grund wurde von Bill Gates gekauft. Die Stadt gehört ihm. Wenn sie nicht in einer Utopie endet.

Weil es die Zukunft ist
Warum lasse ich mich auf einen Umzug ein? Und warum solltest du mich begleiten? Nur, weil es die Zukunft ist, kann als Grund nicht reichen. Keine Unfälle, nachts durch den Park laufen und sich nicht unsicher fühlen, ein personalisiertes Gesundheitssystem für jeden – alles Visionen, die Smart Cities verfolgen. Intelligente Gebäude, die sich an die Bedürfnisse ihrer Bewohner anpassen. Abhängig von den Außentemperaturen wird die Temperatur geregelt, vielleicht sogar auf jeden Bewohner individuell abgestimmt. Die Gebäude sind so gebaut, dass sie mehr Ressourcen produzieren als verbrauchen. Roboter steuern den Erhalt und die Erneuerung des Gebäudes. Vertical Farming sorgt nicht nur für eine Begrünung der Städte und Gebäude, sondern gleichzeitig für eine größere Lebensmittelsicherheit in den Städten.
Durch eine genaue Überwachung und Analyse der Verkehrsströme, wird weniger Energie verbraucht und Zeit gespart. Kommen Busse oder Bahnen zu spät, werden die Wartenden sofort per App informiert. Nie mehr im Stau stehen. Bald nicht nur auf der Straßenebene, die wir kennen. Auch, wenn du das Lufttaxi nimmst, möchtest du dich nicht durch zähfließenden Verkehr quälen.


Es lohnt sich, über die Zukunft nachzudenken (Quelle: picjumbo.com)
Ob ich möchte, dass jemand für mich entscheidet, wann es in meiner Wohnung zu warm oder zu kalt ist? Vielleicht. Ob ich es gut finde, dass Ressourcen geschont werden? Ganz sicher. Ob ich mir Sorgen darüber mache, auf Basis welcher Daten Entscheidungen für mich getroffen werden? Vielleicht. Bin ich am Ende zu bequem, um lange darüber nachzudenken. Ich bin mir noch unsicher.

Und wo ist die Abhängigkeit?
Städte, die von Konzernen gebaut werden, komplett intelligente Städte, in denen alles gesteuert werden kann, können nur funktionieren, wenn sämtliche Daten gesammelt und ausgewertet werden. Themen wie Datenschutz werden obsolet, da man mit dem Einzug die Vorteile, den Komfort, gegenüber allen Bedenken gewinnen lässt. So blieb Sidewalk Labs eine Antwort auf die Frage nach dem Datenschutz bis jetzt schuldig. „Wir beantworten das heute nicht“, sagte Alyssa Dawson, zuständig für rechtliche Fragen, laut dem kanadischen Sender Global News, am Rande einer Informationsveranstaltung für Bürger. Die Frage nach einem Speicherort der Daten: offen. Der Architekturkritiker Klaus Englert betont in einem Artikel von Deutschlandfunk Kultur „In diesen Smart Cities wird die komplette Datenerfassung alltäglich sein, auf Kosten der Freiheitsrechte ihrer Bewohner“. Zusätzlich schwingt bei der Vision der Smart City die Angst vor Hackerangriffen immer mit. Wie leicht wird es sein eine komplette Stadt lahm zu legen? Wie verwundbar werden Länder, deren Städte vollständig auf diesen smarten Konzepten beruhen? Alles Fragen, die die Zukunft
beantworten wird. In Quayside entwickelt Sidewalk Labs nicht nur die Technologie der Stadt, sondern ist auch für Bebauungspläne und die bauliche Entwicklung des Viertels allgemein zuständig. Ein Konzern bestimmt, wer wo wohnen darf. Wie welche Fläche genutzt wird. Die Diversität des Stadtviertels liegt in den Händen eines Konzerns.

Realität und Vision
Aktuell sind die Projekte Belmont und Quayside noch in der Planungsphase. Vielleicht enden sie auch so, wie sie begonnen haben. Als reine Vision. Aber die Tatsache, dass sie bereits geplant werden, bedeutet, dass es in der nicht allzu fernen Zukunft eben diese Städte geben wird. Sie mögen andere Namen haben oder an anderen Orten realisiert werden. Aber es wird sie geben. Die bestehenden Städte, die einige ihrer Stadtviertel aufrüsten, haben erkannt, dass nur Veränderung der richtige Weg in eine smarte Zukunft ist. Aktuell ist mein Umzug nur ein Gedankenexperiment. Aber nur wer es (gedanklich) ausprobiert, kann erfahren, was es mit einem macht. Wir sehen uns im Morgen.

Weiterführende Artikel
Urban Skyscraper proposed for year 2050: https://newatlas.com/urban-skyscraperproposal-2050/26229/
Here’s what cities will look like in 30 years: http://www.businessinsider.com/8-ways-technologycould-radically-transform-buildings-by-2045-2016-6?IR=T
Smart City Innovationen aus München im Alltagstest: https://www.munich-startup.de/32102/smart-city-muenchen/
München als Smart City: https://www.muenchen.de/rathaus/Stadtverwaltung/Referat-fuer-Stadtplanung-und-Bauordnung/Stadtentwicklung/Perspektive-Muenchen/Smart-City.html
Smart City Wien: https://smartcity.wien.gv.at/site/
Smart City Wien in der digitalen Transformation: http://www.horizont.at/home/news/detail/smartcity-wien-in-der-digitalen-transformation.html
Sidewalk Labs Toronto-Projekt: https://netzpolitik.org/2018/sidewalk-labs-toronto-projekt-immernoch-keine-konkreten-aussagen-zum-datenschutz/
Sidewalk Toronto: https://sidewalktoronto.ca/
Chancen und Risiken der Smart Cities: http://www.deutschlandfunkkultur.de/digitalisierung-undstaedtebau-chancen-und-risiken-der.1005.de.html?dram:article_id=411717
Endet auch Bill Gates Smart City als Geisterstadt? https://www.wired.de/collection/business/endet-auch-bill-gates-smart-city-als-geisterstadt


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Kategorisiert in: | Veröffentlicht am: 25.02.2019 Zurück zur Übersicht

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