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Wissen, wer zum Einsatz kommt

OUTLOOK

Immer mehr Freiwillige Feuerwehren nutzen eine schnelle und effizientere zusätzliche Alarmierung via App auf dem Handy.

Montagmorgen, 8:30 Uhr in Schwaig bei Nürnberg. Ein Alarm ertönt. 30 aktive Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr erhalten ihre Alarmierung via klassischem Funk-Piepser und seit kurzem auch via Push-Benachrichtigung auf Ihr Handy aber wieso?

Feuerwehren alarmieren ihre rund 326.650 ehrenamtlichen Mitglieder in Bayern (Quelle: https://www.lfv-bayern.de/informationen/statistiken/) bislang vor allem über Funkmeldeempfänger, sogenannte Piepser. Diese Form der Alarmierung hat jedoch den Nachteil, dass sie keine direkte Möglichkeit zur Rückmeldung bietet, wie viele Mitglieder den Alarm erhalten haben und wer tatsächlich zu Einsatz kommen kann. Wenn ein Alarm eingeht, müssen die Freiwilligen so schnell wie möglich zusammenkommen und ausrücken. Ehrenamtliche Einsatzkräfte haben oft noch Familie, Beruf oder Schule zu bewältigen, oder sind gerade nicht zuhause. Denn Notfälle lassen sich nun mal nicht planen und ein Schichtdienst wie bei der Berufsfeuerwehr ist bei einer freiwilligen Feuerwehr praktisch unmöglich. Manchmal ist erst spät klar, wer einsatzbereit ist und wie lange die Anfahrt dauern wird. In diesem Fall kann es sein, dass ein Einsatz auch bei einer Notsituation verspätet oder mit zu wenigen Hilfskräften ausrücken muss.

Diese Erfahrung haben auch Kollegen der Freiwilligen Feuerwehr in Schwaig gemacht. Um im Alarmfall durch einen schnelleren und effizienteren Informationsfluss einen besseren Überblick über die verfügbaren Personen zu bekommen, fiel nach einiger Recherche und Abwägung die Entscheidung auf eine Zusatzalarmierung via App. Von dieser erhofft man sich sowohl eine bessere als auch schnellere Planung, wie auch Organisation der Einsätze.

Der Ablauf der derzeitig gängigen Alarmierung stellt sich wie folgt dar:

Geht in der Leitstelle ein Notruf ein, wird dort zunächst festgelegt, welche Feuerwehr oder Feuerwehren zum Einsatz alarmiert werden müssen. Die Mitglieder der jeweiligen Feuerwehr(en) erhalten den Alarm zum Einsatz daraufhin via Funkmeldeempfänger. Hierzu wird eine bestimmte Tonfolge (Wahlton) an den Funkmeldeempfänger gesendet. Ähnlich einer herkömmlichen Telefonnummer sind sämtliche Empfänger einer Feuerwehr auf diese Tonfolge programmiert und es wird ein Sprachkanal zu diesen geöffnet. Die Leitstelle gibt daraufhin per Funkspruch die Informationen zum Einsatz durch. Dieser kann jedoch abhängig davon, wo sich der zu Alarmierende befindet und wie deutlich der Kollege in der Leitstelle spricht, gut oder weniger gut verstanden werden. Grundsätzlich zeichnet sich die herkömmliche Funktechnik nicht durch herausragende Sprachqualität aus und Rauschen oder andere Nebengeräusche sind Normalität.

Parallel zur Sprachfunkalarmierung werden alle Daten (Ort, Einsatzart, besondere Vorkommnisse/Anforderungen etc.) welche die Leitstelle vom Anrufer aufgenommen hat als Fax in das Gerätehaus gesendet. Dieses Fax kann dann vom Einsatzleiter mit zur Anfahrt auf die Einsatzstelle mitgenommen werden.

Seit Einführung der App wird dieses Fax zusätzlich automatisch von einem PC ausgewertet, sämtliche Daten erfasst und digitalisiert. Das Einsatzstichwort wird den Kammeraden dann nochmals leserlich via Push-Benachrichtigung auf Ihr Handy gesendet. Diese können sogleich in der App ihren jeweiligen Status auswählen: ob derjenige einsatzbereit ist, oder erst verzögert bzw. gar nicht mit ausrücken kann.

Gleichzeitig werden die Informationen aus dem Fax zusammen mit den Statusmeldungen aus der App auf großen Monitoren im Gerätehaus anschaulich dargestellt. Hierzu gehören beispielsweise auch Anfahrtskarte, alarmierte Fahrzeuge und besondere Vorkommnisse. So ist es jedem anwesenden und auch noch später eintreffenden Kollegen möglich, gleich zu sehen, wer zum Einsatz kommt, wo und was passiert ist, alle nötigen Informationen zum Einsatz können schnell überblickt werden. Ohne diese neue Technik wären diese Informationen lediglich auf dem Fax und müssten von Person zu Person weitergegeben werden. Durch die Rückmeldungen per App kann darüber hinaus schnell erfasst werden, ob ausreichend viele Kammeraden zum Einsatz verfügbar sind, oder noch eine weitere Feuerwehr nachalarmiert werden muss. All dies spart kostbare Zeit, denn in Notfallsituationen kann jede Sekunde entscheidend sein.

Die App bietet auch weitere Möglichkeiten. Beispielsweise können Freiwillige einen dauerhaften Status „verfügbar“ oder „nicht verfügbar“ setzen. Durch diesen kann der Kommandant jederzeit sehen, wie viele freiwillige Kameraden gerade einsatzbereit sind Das erleichtert die Planung zusätzlich, insbesondere rund um Feiertage oder bei Unwettermeldungen.

Die App bringt aber leider auch immer wieder Zweifel mit sich, insbesondere im Bereich des Datenschutzes, der momentan ein gesellschaftlich häufig diskutiertes Thema darstellt. Durch den gesetzten Status entsteht eine Art Überwachungsmöglichkeit, wann jemand verfügbar und damit vermutlich zuhause ist, oder nicht. Gewohnheiten lassen sich hierdurch ggf. ableiten. Daher stößt die Benutzung der App mitunter auf Skepsis unter den Kameraden und Verantwortlichen.

Die Umsetzung und um deren Vor- Nachteile und wie viel Fingerspitzengefühl hierfür notwendig ist, weiß auch Thomas Wittmann Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr in Schwaig bei Nürnberg.

 

Nachdem in den vergangenen Monaten rund 80 Einsätze bereits erfolgreich via Zusatzalarmierung durchgeführt werden konnten, wurde das System nun stabiler im Gerätehaus etabliert. Auch eine Erweiterung des Systems ist denkbar. So kann z.B. das Licht bei Nacht vor dem Gerätehaus automatisch eingeschaltet werden, wenn ein Alarm eingeht oder zusätzliche Tablets mit Navigation in den Autos könnten die Anfahrt zum Einsatzort erleichtern.

Bis das System komplett ausgebaut und störungsfrei arbeiten kann, gibt es noch viel zu tun und die Feuerwehren sind hier bei der Umsetzung in ein neues digitales Zeitalter weitestgehend auf sich allein gestellt. Eine finanzielle, fachliche oder personelle Unterstützung vom Freistaat gibt es bislang nicht. So muss unter anderem zunächst eine individuelle Konzeption erstellt werden, eine passende IT-Infrastruktur aufgebaut, Hardware, beispielsweise Monitore, beschafft, installiert und eingebunden werden. Automatisierungs-Skripte müssen geschrieben und getestet, Kameraden in die Benutzung der Systeme eingewiesen werden.


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Kategorisiert in: | Veröffentlicht am: 13.05.2019 Zurück zur Übersicht

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